Frauenherzen schlagen anders
Frauenspezifisches Behandlungskonzept in der kardiologischen Rehabilitation
Wussten Sie, dass nur rund 20 Prozent der Patienten in kardiologischen Rehabilitationskliniken Frauen sind – obwohl Herzerkrankungen auch für Frauen zu den häufigsten Erkrankungen zählen?
Frauenherzen schlage anders
„Jahrzehntelang orientierte sich die Kardiologie primär am Mann, aber heutzutage wissen wir, dass Frauen nicht nur ihre eigene Diagnostik und Therapie brauchen, sondern auch ihre kardiologische Rehabilitation auf sie zugeschnitten werden muss.“
Dr. med. Andrea Menzl,
Chefärztin der Klinik für kardiologische Rehabilitation
Wir haben in der kardiologischen Rehabilitation in der Klinik St. Irmingard ein frauenspezifisches Behandlungskonzept entwickelt. Es besteht aus mehreren ineinandergreifenden Vorträgen, Gesprächsgruppen und Bewegungstherapien und wird durch geschlechtsübergreifende Therapieeinheiten ergänzt.
Das positive Feedback in unseren Evaluationsbögen bestärkt uns darin, dass sich die Patientinnen durch das „Frauenprogramm“ angesprochen und sich in den Therapien wohlfühlen sowie hilfreiche Skills für den Alltag mitnehmen.
Frauenspezifisches Angebot in der kardiologische Rehabilitation
Während Männer in der Reha vor allem an der Wiederherstellung ihrer körperlichen und beruflichen Leistungsfähigkeit interessiert sind, suchen Frauen häufig Unterstützung bei Gewichtsproblemen und Ernährung, im Umgang mit Frust und Ärger sowie bei der Verarbeitung psychosozialer und familiärer Belastungen und Ängste.
Dies berücksichtigen wir selbstverständlich in unserem Therapieprogramm.
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Vortrag der Chefärztin: Frauenherzen schlagen anders – schlagen Frauenherzen wirklich anders?
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In diesem Vortrag unserer Chefärztin Dr. med. Andrea Bernadette Menzl werden die Unterschiede bei Symptomen, Stressoren, Behandlungsbeginn und medikamentöser Therapie zwischen beiden Geschlechtern in Bezug auf koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz erläutert.
Sie erfahren Wissenswertes über psychosoziale Risikofaktoren, die stressbedingte Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie) der Frau (Tako-Tsubo-Syndrom) und die positiven Wirkungen der Östrogene im gebärfähigen Alter.
Zudem werden Inhalte und Bedeutung der frauenspezifischen Bewegungstherapie sowie der psychologischen und ernährungsspezifischen Gruppenarbeit erklärt. Meist entsteht eine angeheizte Diskussion, da sich die Rehabilitandinnen im Vortrag mit der eigenen Krankheitsgeschichte und Alltagssorgen wiederfinden.
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Seminar der Diätassistentin: Was das Frauenherz begehrt
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Mit unseren Diätassistentinnen werden die speziellen Gewichtsprobleme nach der Menopause durch Hormone sowie gestörtes Essverhalten bei Frust, Ärger und Depression behandelt.
Erörtert wird zudem, wie eine herzgesunde Ernährung in der Familie umgesetzt werden kann – zur Vorbeugung von Erkrankungen durch Fehlernährung auch bei anderen Familienmitgliedern und insbesondere in den nächsten Generationen.
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Seminar und Gesprächsgruppe der Psychologin: Das Frauenherz verstehen
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Der psychologische Vortrag und die Gesprächsgruppe dienen dem Erkennen der eigenen Stärken, dem Erlernen von Abgrenzung, der Behandlung frauenspezifischer Ängste und Depressionen sowie der Bearbeitung der Herausforderung einer Mehrfachbelastung durch Familie und Beruf.
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Bewegungstherapie: Frauenherzen in Bewegung
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In der zusätzlichen Frauengymnastik mit tänzerischen Elementen bei entspannter Musik wird nicht auf Leistung, sondern auf die Freude an der Bewegung in geschütztem Rahmen Wert gelegt. Auch Beckenboden- und Venengymnastik werden angeboten.
Warum sind Frauenherzen anders?
Die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenherzen sind vielfältig: verschiedene Symptome, hormonelle Einflüsse oder andere Reaktionen auf Medikamente sind nur einige Beispiele dafür.
Wir geben Ihnen einige wertvolle Fakten an die Hand.
Wie unterscheiden sich die Symptome bei einem Herzinfarkt von Mann & Frau?
Männer empfinden häufig einen starken Schmerz hinter dem Brustbein oder im Brustkorb links, häufig mit Ausstrahlung in den linken Arm, oder ein Engegefühl, als würde jemand den Brustkorb zuschnüren.
Bei Frauen ist eher Atemnot das typische Symptom. Wenn Frauen Schmerzen empfinden, dann sind das eher ausstrahlende Schmerzen in die Magengegend, in den Kieferwinkel oder in den Nackenbereich.
Zudem unterscheiden sich auch die Riskofaktoren: Ein Diabetes mellitus und Rauchen („Nikotinabusus“) schlagen bei Frauen stärker zu Buche und können sogar den östrogenbedingten Schutz zunichtemachen.
Warum werden Herzerkrankungen bei Frauen häufig erst später erkannt als bei Männern?
Das liegt einerseits an den „atypischen“ Beschwerden, andererseits warten Frauen bei Beschwerden statistisch gesehen deutlich länger, bis sie den Notruf wählen. Sie wollen nicht als überbesorgt oder hysterisch gelten. Ältere Frauen leben zudem häufiger allein, wodurch im Ernstfall der Partner im Haus fehlt, der den Ernst der Lage erkennt und den Arzt ruft.
Hinzu kommt, dass die atypischen Symptome Frauen erst später an eine Herzbeteiligung denken lässt. Bei Schmerzausstrahlung in die Magengegend suchen sie häufig beispielsweise zunächst einen Gastroenterologen auf.
Wie wirken sich unterschiedliche Lebensphasen – etwa die Wechseljahre – auf den Reha-Erfolg aus?
Die Wechseljahre sind eine hormonelle und biografische Umbruchphase. Der sinkende Östrogenspiegel wirkt sich auf mehreren Ebenen auf Ihren Körper aus – und damit auch auf Ihre Therapie:
- Knochen und Gelenke: Der Östrogenmangel beschleunigt den Knochenabbau (Osteoporose-Risiko) und lockert das Bindegewebe. Wir achten deshalb besonders auf gelenkschonendes Training und gezielten Muskelaufbau zur Knochenstabilisierung.
- Schlaf und Erholung: Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche können den Schlaf stören und die Erholung nach dem Training verlangsamen – das kann Ihre Leistungsfähigkeit vorübergehend einschränken.
- Stimmung und Motivation: Hormonelle Schwankungen können Stimmungstiefs bis hin zu einer Depression begünstigen. Dies kann sich negativ auf die Motivation, aktiv bei der Therapie mitzumachen, auswirken.
Was wir bei unseren Rehabilitandinnen häufig feststellen: Viele Frauen erleben die Wechseljahre aber auch als Chance zur Neuorientierung für einen gesünderen Lebensstil. Der Abstand vom Alltag sowie die Kombination aus Bewegung, Ernährungsberatung und Stressbewältigung wirken in der Reha besonders motivierend.
Mit welchen Nebenwirkungen haben Frauen häufiger zu kämpfen als Männer?
Medikamente wirken bei Frauen oft anders als bei Männern. Ein Grund: Dosierungen orientieren sich häufig am „Standard-Mann“ (170 cm, 75 kg) und werden selten exakt ans individuelle Körpergewicht angepasst. Zusätzlich sorgen ein höherer Körperfettanteil, eine langsamere Verdauung und ein langsamerer Abbau über Leber und Niere dafür, dass viele Wirkstoffe bei Frauen länger im Körper bleiben und stärker wirken.
Konkret zeigen sich dadurch bei Frauen häufiger:
- Übelkeit, Erbrechen oder eine gereizte Magenschleimhaut
- Reizhusten unter ACE-Hemmern
- Wadenkrämpfe oder Herzrhythmusstörungen durch einen niedrigen Kalium- oder Magnesiumspiegel unter Diuretika
- Geschwollene Knöchel („dicke Waden“) unter Kalziumantagonisten
- Extreme Müdigkeit, Schwindel oder Gangunsicherheit unter Antidepressiva oder Beruhigungsmitteln, die Frauen zudem häufiger einnehmen
Auch das Risiko für Wechselwirkungen ist bei Frauen erhöht – etwa, wenn zusätzlich Hormonpräparate oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.
Welche Rolle spielt Ernährung bei der Herzgesundheit von Frauen?
- Frauen haben weniger Muskelmasse und mehr Körperfett. Ihr Grundumsatz liegt im Schnitt um 25 bis 30 % niedriger als der von Männern. Frauen haben daher bei geringerem Kalorienbedarf einen höheren Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen pro Kalorie.
- Frauen verbrennen östrogenbedingt beim Sport anteilig mehr Fette und weniger Kohlenhydrate als Männer.
- Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist der Eisenbedarf doppelt so hoch wie bei Männern. Nach den Wechseljahren muss wegen des erhöhten Osteoporoserisikos bei Frauen auf ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr geachtet werden.
Haben Sie Fragen zu Ihrer Aufnahme in die Kardiologie?
Dann füllen Sie direkt unser Kontaktformular aus, oder rufen Sie bitte direkt die kompetenten Kolleginnen in unserem Patienten-Service an:
Telefon +49 8051 607-538
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