Trauma und Essstörung – Wege einer integrierten Versorgung?
Termin | Onlinevortrag
Mo, 07. September 2026, 19:00 – 20:30 Uhr (Dauer: 1 Stunde 30 Minuten)
Rückerstattung bis zu 1 Tag vor dem Event
Inhalt
Warum Kooperation den Unterschied macht
Mehrere Studien belegen einen engen Zusammenhang zwischen Essstörungen und traumatischen Erfahrungen, insbesondere in Kindheit und Jugend. Insbesondere die sogenannten „man made disasters“ durch enge Bezugspersonen führen häufig zu tiefgreifenden Bindungs- und Beziehungsstörungen sowie zu einer Vielzahl von weiteren psychischen Problemen. Traumatisierungen stehen nicht nur mit einem früheren Beginn und einer stärkeren Ausprägung von Essstörungen in Verbindung, sondern beeinflussen auch deren Verlauf und Behandlungserfolg negativ. Darüber hinaus konnten mehrere Studien zeigen, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von Übergewicht ist. Typische traumabezogene Symptome und essstörungsspezifische Verhaltensweisen wirken dabei häufig wechselseitig verstärkend; gestörtes Essverhalten kann als dysfunktionale Strategie zur Emotionsregulation und als Copingstrategie traumaassoziierter Symptome dienen.
In der Versorgungslandschaft ist die gleichzeitige Behandlung von Essstörungen und insbesondere komplexer Posttraumatischer Belastungsstörung bislang unzureichend berücksichtigt, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Lange galt vor allem bei untergewichtigen Patientinnen das „Stabilisierungs-Paradigma“ als Methode der Wahl. Dies führt jedoch dauerhaft zu unzureichenden Outcomes („Whack-a-mole“), erhöhten Abbruchquoten und einem hohen Chronifizierungsrisiko mit erheblichen psychosozialen Auswirkungen. Vor diesem Hintergrund wird im Vortrag die Notwendigkeit einer integrierten, multiprofessionellen und sektorenübergreifenden Versorgung für Menschen mit Essstörungen und Traumafolgestörungen herausgearbeitet. Beispielhaft wird das essstörungsspezifische Wohngruppenkonzept des Therapienetz Essstörung, die traumaspezifischen Anpassungen sowie insbesondere auch die notwendigen Kooperationen mit klinisch-traumatherapeutischen Settings vorgestellt.
Die Referentin: Dipl.-Psych. Eveline Müller, Psychologische Psychotherapeutin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT), DBT-Therapeutin, Supervisorin (DVT). Seit 2012 leitende Psychologin im Therapienetz Essstörung. Langjährige Tätigkeitsschwerpunkte: Essstörungen und deren Komorbiditäten.
Aktuelle Veröffentlichungen:
- Essstörungen. Beltz Video-Learning. 2 DVDs mit 236 Minuten Laufzeit mit 20-seitigem Booklet
- Immer geht alles schief. Denkmuster und Grundüberzeugungen erkennen und verändern. Kartenset mit 88 Impulsen und Übungen in stabiler Box. Kartenformat 9,8 x 14,3 cm. Mit 20-seitigem Booklet
Wichtige Hinweise:
- Fortbildungspunkte der Bayerischen Landesärztekammer werden beantragt
- Die Teilnahme steht nur einem Fachpublikum offen (Ärzt:innen, Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Krankenpfleger:innen, Körpertherapeut:innen, Kunsttherapeut:innen, Musiktherapeut:innen, Sozialarbeiter:innen, Physiotherapeut:innen, Einsatzkräften etc. sowie Student:innen und Auszubildenden der entsprechenden Disziplinen)
- Der reduzierte Teilnahmebeitrag steht auch Kolleg:innen offen, die Bürgergeld o.Ä. beziehen
- An einem Zoom Meeting teilnehmen: wie geht das? Bitte beachten Sie, dass wir keinen technischen Support anbieten können. Wir bitten Sie daher, bereits im Vorfeld zu prüfen, ob Hardware und Konfiguration Ihres Endgerätes eine Teilnahme erlauben.